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Heider Schüler fahren nach Tansania

Entwicklungspolitisches Austausch-Projekt am Schulzentrum Heide-Ost

Von Gesine Groll

Heide – Die Spannung steigt, in zwölf Tagen ist es so weit. Dann werden elf Jugendliche vom Schulzentrum Heide-Ost nach Tansania fliegen. Genauer gesagt nach Entebbe in Uganda, um dann von dort in Geländewagen die letzten rund 300 Kilometer bis zur Karagwe-Internatsschule zurückzulegen.

Die 15- bis 19-Jährigen sind Teilnehmer des entwicklungspolitischen Schulaustauschprogrammes Ensa. Partnerschaften mit Schulen auf dem afrikanischen Kontinent sind selten. „In Schleswig-Holstein sind wir die Einzigen“, weiß Lehrer Michael Wolpmann, der zusammen mit einem in Hamburg lebenden Bekannten den Kontakt nach Karagwe geknüpft hatte. Überhaupt sind in das Ensa-Programm bundesweit nur sechs Schulen aufgenommen worden. 20 Schulen hatten sich beworben.

Seit Sommer vergangenen Jahres arbeitet die Gruppe an an dem schulübergreifenden Austauschprojekt. Beteiligt sind Haupt- und Realschüler sowie Gymnasiasten – auch etwas Ungewöhnliches für ein Schulaustauschprogramm. Im Dezember 2006 war eine Gruppe aus Karagwe zu Besuch in Heide. Für Malou Terbille (15) aus Ostrohe, in deren Familie die tansanische Austauschschülerin Elieth untergebracht war, eine besondere Erfahrung. „In Tansania haben die Menschen ein ganz anderes Verhältnis zur Zeit, haben echt die Ruhe weg. Wir sind eigentlich nie pünktlich gekommen“, erinnert sie. „Und Elieth hat mächtig gefroren.“ Malou Terbille hat beim Gedanken an ihren Aufenthalt in Tansania ein etwas mulmiges Gefühl. Vor allem beim Gedanken an Krankheiten, die sie bekommen könnte – obwohl sie, wie alle anderen, alle erforderlichen Impfungen hat machen lassen. Sie wird ein Moskitonetz, „alle möglichen Tabletten“ und besondere Kleidung, die Moskito-Stiche abwehren, im Gepäck haben.

Tobias Jess (17) aus Weddingstedt hat sich aus allgemeinem Interesse an Afrika und weil er gerne reist für einen Platz im Projekt beworben. Mit dem Aufenthalt in Karagwe verknüpft er keine besonderen Erwartungen, er will sich überraschen lassen. Da die Heider als Weiße unter rund 500 Schülern die „Exoten“ sein werden, rechnet er aber damit, von vielen angesprochen und ausgefragt zu werden. „Hoffentlich wird das nicht zu viel.“ Schließlich kommt zur ungewohnten Umgebung, dem feuchtwarmen Klima (es ist Regenzeit) und der Tatsache, dass es dort ab 18 Uhr stockdunkel ist, dass man sich nur auf Englisch verständigen wird. Da hat Daniel Schwarz (15), der die neunte Hauptschulklasse besucht, für sich so seine Bedenken, „dass es mit der Verständigung klappt“. Aber spannend werde es auf jeden Fall, freut sich der Hemmingstedter.

Begleitet werden die Jugendlichen von Michael Wolpmann, dessen Kollegin Heidi Geiler und Pastor im Ruhestand Hannes Scholz, der zehn Jahre in Tansania gelebt hat. Anders als die afrikanischen Gäste in Dithmarschen sind die Schüler aus Heide nicht in Gastfamilien untergebracht. „Die leben weit verstreut, zum Teil einige hundert Kilometer von der Schule entfernt“, erklärt Wolpmann. „Wir werden deshalb direkt in der Internatsschule wohnen.“

Maximal 400 Euro Reisekosten fallen für jeden Teilnehmer an, der Rest wird aus den Ensa-Fördergeldern bezahlt. Hinzu kommen die Kosten für die Impfungen und besondere Ausrüstung. „Ohne die Förderung durch das Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und aus Bingo-Lotto, die vor allem auch für die afrikanischen Partner wichtig ist, wäre so ein Projekt gar nicht möglich“, erklärt Wolpmann. Finanzielle Unterstützung kommt inzwischen auch vom Ausschuss für kirchlichen Weltdienst.

Dank Ensa nach Karagwe

Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit stellt das Entwicklungspolitische Schulaustauschprogramm (Ensa) inhaltliche und finanzielle Förderung für zwei- bis dreiwöchige Aufenthalte in Afrika, Asien, Lateinamerika oder für den Fall des Gegenbesuchs in Deutschland. Gefördert werden bestehende Schulpartnerschaften von weiterführenden Schulen. Die Vor- und- Nachbereitungsseminare für Ensa werden von Referenten aus Nichtregierungsorganisationen und vom ASA-Programm (ASA: Arbeits- und Studienaufenthalte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Südosteuropa) geleitet. In den Seminaren geht es um interkulturelle Kommunikation, Teamarbeit und Konfliktlösung, Projektvorbereitung, Länderkunde und eine Einführung in Entwicklungspolitik und entwicklungspolitische Bildungsarbeit. Im Anschluss an die Begegnung geben die Schüler ihre Erfahrungen an ihre Schule und ihr gesellschaftliches Umfeld weiter – und arbeiten somit als Multiplikatoren für eine global nachhaltige Zukunft.

Karagwe ist der nördlichste Distrikt der Region Kagera, dem nordwestlichen Zipfel des ostafrikanischen Staates an der Grenze zu Uganda. Die Ostgrenze der Region bildet der Viktoriasee. In dem Distrikt leben rund 430 000 Menschen.

Tansania hat knapp 37 Millionen Einwohner; auf einem Quadratkilometer leben 39 Menschen. Amtssprachen sind Swahili und Englisch.

Am 9. Dezember 1961 erhielt Tanganjika die Unabhängigkeit vom Vereinigten Königreich. Kurz nach der Unabhängigkeitserklärung von Sansibar am 10. Dezember 1963 verbanden sich die beiden Staaten Tanganjika (Tan) und Sansibar (San) und gründeten am 26. April 1964 die Vereinigte Republik Tansania.

Tansania gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Die Mehrheit der Bevölkerung lebt von der Landwirtschaft, von der der Handel Tansanias wesentlich abhängig ist. Steigende Preise auf dem Lebensmittelsektor führten dazu, dass die privaten Einkommen überwiegend für Lebensmittel aufgebraucht werden. Angesichts der Armut wurde dem Land 2001 von der Weltbank ein Schuldenerlass gewährt.

Quellen: www.tansania-network.de und wikipedia

[DLZ, 05.10.2007] 
 
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