„Jambo" heißt Hallo
Von Roberto Turchetto
HEIDE - „Die Menschen dort sagen zwar Jambo, anstatt Hallo, die Kultur
und Lebensweise ist auch ganz anders, aber sonst sind wir gar nicht so
verschieden". Diese Erkenntnis hat die Heider Schülerin Sandra Schleip
von ihrer ersten Begegnung mit Schülern und Lehrern der Karagwe
Secondary School aus Tansania gewonnen. So sind die Tansaner zum
Beispiel genauso fußballverrückt, wie die Deutschen. „Die schauen
unsere Bundesliga und Champions League im Fernsehen und wussten besser
über den Deutschen Fußball Bescheid als ich", erinnert sich die
17-Jährige. Auch ist das Handy, das Internet oder das Autofahren dort,
genau wie hier, normaler Bestandteil des Lebens.
 Die Heider Schüler begrüßen herzlich ihre tansanischen Gäste. Im Herbst diesen Jahres erfolgt der Gegenbesuch der Dithmarscher in Afrika.Foto: Privat Doch hat sie,
wie die rund 20 anderen Schüler und Lehrer der Projektgruppe des
Schulzentrums Heide-Ost auch noch viel tiefgreifendere Erkenntnisse bei
dem dreiwöchigen Besuch der tansanischen Besuchergruppe in Heide
gewonnen. „Es ist wirklich sehr spannend, gemeinsame Ansatzpunkte zu
entwickeln", erklärt Schülerin Lisa Reuter. Sie, wie auch die anderen
Schüler, und auch die Lehrer, die an dem Projekt mitarbeiten sind sich
einig: Die Faszination für das ferne afrikanische Land sitzt tief. Die
Neugierauf Menschen eines anderen Kulturkreises ist so groß, dass die
Heider eine Menge ihrer Freizeit opfern, um das Projekt dieser
außergewöhnlichen Schulpartnerschaft zu beleben und voranzutreiben.
„Hier
geht es nicht um Entwicklungshilfe", stellt Lehrer und Initiator
Michael Wolpmann klar. Hier gehe es in erster Linie um Erfahrungs- und
Informationsaustausch aus allen Lebensbereichen. Außerdem solle
Verständnis füreinander geweckt werden. So wurde bei dem dreiwöchigen
Besuch zum Beispiel versucht anhand des Themas „Das Leben einer
Kaffeebohne" die direkte Verflechtung der Deutschen mit Tansania
herauszuarbeiten. „Wir trinken Kaffee, in Tansania wird Kaffee
angebaut", erzählt Wolpmann. Anhand dieses Beispiels wurde den Heidern
erst klar, wie abhängig das afrikanische Land vom Außenhandel ist.
Fällt der Kaffeepreis, oder wird der Handel Opfer von Spekulationen
kann das so weit gehen, dass die Menschen dort ein Großteil ihres
Einkommens verlieren und hungern müssen. „Zum ersten Mal hat mir der
Begriff ,Fairer Handel' seine Bedeutung offenbart", erklärt Schülerin
Sandra Schleip.
Das Heider Projekt ist dabei nicht das Einzige.
So werden bundesweit sechs dieser Schulpartnerschaften vom
Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(BMZ) und weiteren Sponsoren gefördert. „Diese Förderung gilt für ein
Jahr und schließt unseren Gegenbesuch, der für den Herbst diesen Jahres
geplant ist, ein", erklärt Michael Wolpmann. Alles was danach kommt
steht in den Sternen. „Wir wollen eine dauerhafte Schulpartnerschaft
entstehen lassen. Dafür ist geplant, einen Förderverein zu gründen",
erzählt der Lehrer.
Schulpartnerschaft soll ausgebaut werden
Michael Wolpmann orientiert sich damit an bereits existierenden,
erfolgreichen Partnerschaften, die aber alle nur Mithilfe eines
„externen" Vereins funktionieren. Er fügt an: „Die Schule ist nicht in
der Lage, in diesem Feld eingehend tätig zu werden. Wie solle eine
Schule zum Beispiel Sponsorengelder verbuchen?" fragt er. Und auf
Sponsoren ist so eine Partnerschaft angewiesen. Sonst wären zum
Beispiel die Besuche und Gegenbesuche, also die zwischenmenschliche
Begegnung, von der die Partnerschaft lebt, nicht finanzier- und
durchführbar.
 Neben den Lehrern Michael Wolpmann, Heidi Geiler, Britta Lindner, Nicole Rodenberg und Christian Hermann beteiligen sich rund 20 Schüler der Klassen 9 bis 11 von Haupt- und Realschule und Gymnasium des Schulzentrums Heide-Ost an der Schulpartnerschaft. Auf dem Foto sieht man eine der Arbeitsgruppen.Foto: Turchetto Dabei muss das Sponsoring keine Einbahnstraße sein. „Man kann ja
länderübergreifende Projekte oder Projektpartnerschaften auf die Beine
stellen, die auch für heimische Firmen interessant sein können." Er
denkt da zum Beispiel an die Themen erneuerbare Energien oder die
Energieerzeugung an sich. Die persönlichen Kontakte nach Tansania seien
ja schließlich vorhanden. Und es sei geplant auf Landesebene ein
Netzwerk aufzubauen.
Die Idee zu der Schulpartnerschaft trug Michael Wolpmann schön
länger mit sich herum, da er seit langem mit einem tansanischen Pastor,
der in Hamburg lebt, befreundet ist. Eigentlich wollte er alles langsam
in Bahnen lenken und hat damit gerechnet, dass so ein Projekt in rund
zwei Jahren Gestalt annehmen könne. Daneben habe man sich im Sommer des
vergangenen Jahres für die Förderung beworben, sagt er. „Dann ging
plötzlich alles ganz schnell", erinnert sich der Lehrer. Das
Schulzentrum bekam als einzige Schule in Schleswig-Holstein den
Zuschlag. Anträge und Ziele mussten formuliert werden und kurze Zeit
später wurden schon die tansanischen Gäste in Heide begrüßt.
Grundlage für das schulübergreifende Austauschprojekt ist ein
Bundestagsbeschluss zur Förderung des entwicklungspolitischen
Jugendaustausches (EPJA). Unterstützt und gefördert wird das Projekt
bis zum Ende des Jahres vom BMZ, der inWent (Internationale
Weiterbildung und Entwicklung gGmbH), dem Lions Club Dithmarschen, dem
Ausschuss für kirchliche Weltdienste (AKWD), von der Bingo-Lotterie,
dem GHO und der Real- und Hauptschule des Schulzentrums Heide-Ost. „Wir
haben bereits und werden noch sehr viel unserer Zeit und Arbeitskraft
investieren", betont Wolpmann. Er fügt an: „Das ist ein wirklich
interessantes und lohnendes Projekt, dass weitergeführt werden muss."
Wer Interesse hat mehr über die Schulpartnerschaft und die
Möglichkeiten, die sich daraus ergeben zu erfahren, kann sich an
Michael Wolpmann unter Tel: 04832/979255 wenden.
Vielfältige Informationen wird es auch am 24. Mai geben. Dann werden
die Schüler und Lehrer das Projekt um 19 Uhr im „Eine Welt Laden" am
Markt der interessierten Öffentlichkeit vorstellen.
[Heider Anzeigenblatt: 09.Mai 2007]
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